Schlossgärtnerei Oberlichtenau



1730 ließ Graf v. Holzendorf das Rittergut Oberlichtenau abreißen, um ein neues spätbarockes Schloss zu errichten. Graf Heinrich v. Brühl , Gesamtminister Augusts des III, übernahm 1744 das Schloss in seiner heutigen Form. Vermutlich um 1900 wurde das Schlossgärtnerhaus mit dazugehörigem Gewächshaus errichtet. Die innerhalb der Schlossmauer befindliche Gärtnerei wurde 1945 im Zuge der Bodenreform vom Schlossgelände abgetrennt und zu Volkseigentum erklärt. Der Gärtner, der seit 1932 die Gärtnerei bewirtschaftete und versuchte, diese in sein Eigentum umzuwandeln, ging leer aus und die LPG, welche die Gärtnerei kaum nutzte, war die neue Eigentümerin geworden.

Die Schule des Dorfes richtete vorübergehend einen Schulgarten ein. Nach der friedlichen Revolution 1989 kam das Grundstück zur Treuhandgesellschaft. Der 1992 gegründete Christliche Verein Oberlichtenau e.V. kaufte von dieser 1997 das zwischenzeitlich völlig verwahrloste Gelände. Nach monatelanger Schutt- und Müllberäumung auf dem Gelände begannen die Mitglieder des Vereins, das Schlossgärtnerhaus zu sanieren: Trockenlegung, alle Medien wurden neu angeschlossen, die gesamte Elektroanlage wurde erneuert, Elektroheizung eingebaut, sämtliche Räume renoviert, WCs eingebaut. Im Keller wurde eine öffentliche Bücherei etabliert. In dieser sind heute 7500 Bände ausleihbar. 2005 wurde das gesamte Dachgeschoss erneuert und das Dach neu mit Biberschwänzen eingedeckt. Im Haus ist heute ein kostenfreies WLAN unter dem Namen Schlossblick zu empfangen. Der Verein nutzt das Erdgeschoss zu Übernachtungszwecken und das Dachgeschoss als Medienraum.

2005 wurde dem Verein ein sächsischer Landespreis für ländliches Bauen überreicht, weil dieser mit dem Gewächshaus der Schlossgärtnerei am Wettbewerb teilgenommen hat.

In 2006 wurden wesentliche Teile der historischen Schlossmauer wieder errichtet.

Das Gewächshaus war bei Übernahme durch den Verein restlos eingefallen, und meterhohe Bäume wuchsen aus ihm. Es war weder begehbar, noch in irgendeiner Weise nutzbar oder erschlossen. Beharrlich hat der Christliche Verein das Gebäude saniert und einer völlig neuen Nutzung unterzogen. Im Gewächshaus ist heute eine keramische Werkstatt für biblische Gebrauchskeramik untergebracht. Römische Öllampen und Qumran - Schriftrollengefäße in Miniaturausführung sind zum Renner geworden. Modellierte und gegossene Keramik muss vor dem Brennvorgang lufttrocknen. Durch das erhaltene Gewächshausklima kann dieser Prozess beschleunigt werden. Begründet durch offene Kinder- und Jugendarbeit des Vereins und einen Bibelgarten im Nachbargrundstück mit hohen Besucherzahlen wurden im Gewächshaus Toiletten und Duschen eingebaut. In 2006/7 entsteht auf dem Gärtnereigelände die Nachbildung einer byzantinischen Basilika. Das Gelände ist im 10. Jahr der Bewirtschaftung durch den Christlichen Verein Oberlichtenau e.V. wieder denkmalsgerecht saniert worden und durch den Ideenreichtum der Mitglieder einer sanften aber wirtschaftlich tragfähigen Nutzung zugeführt worden.

Maik S. Förster, Oberlichtenau
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