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2015-05-21

Bleibt der Keulenberg-Imbiss Pfingsten zu? (Sächsische Zeitung - Kamenz)

von Reiner Hanke

Die Gipfelgaststätte wird es mit dem neuen Besitzer nicht mehr geben. Und im Kiosk muss noch renoviert werden.

Keine Baude, der Kiosk auf dem Keulenberg dicht. Ein paar Wanderfreunde aus Dresden haben sich zum Glück mit Wurstbroten eingedeckt. Die packen sie am Rastplatz neben dem Imbiss Goldene Wurzel aus und schwelgen in Erinnerungen. Sie sind nicht das erste Mal auf dem Berg der Heimat: „Weißt du noch, damals beim Bergsingen?“ In Scharen zog es Ausflügler und Musikfreunde hinauf. Es ist ebenfalls nur noch Geschichte.

Die Gegenwart ist zumindest von Baulärm an der bisherigen Gaststätte bestimmt. Dort stemmte jetzt ein Handwerker aus der Region einen massiven Sockel am Eingang zum früheren Biergarten weg. An der Seite steht noch das Bauden-Schild: Keulenberg Gaststätte und Pension. Er habe schon viele Gastronomie-Konzepte hier erlebt, erzählt der Handwerker: „Aber man muss auch davon leben können.“ Das hat wohl nicht geklappt. Das Publikum komme eben nur zu bestimmten Stoßzeiten: „Klar ist es schade, wenn so ein Gasthaus verloren geht.“ In der städtischen Wurzel sei auch noch einiges zu renovieren, bevor sie geöffnet werden könne.

Neuer Eigentümer im Bau-Stress

Der neue Eigentümer der Privatanlagen auf dem Gipfel ist Jan Heimpold. Er war am Mittwoch im totalen Stress, und kurz angebunden. Die Bauarbeiten für die künftigen Bewohner seien im Endstadium. Schon vor zwei Wochen sollte es detailliertere Informationen zu seinem Vorhaben auf dem Berg geben. Heute sind die Aussagen immer noch so vage wie damals. Es bleibt dabei: Ein Sozialprojekt mit Jugendlichen will der Eigentümer auf dem Berg ansiedeln. Dafür sei eine Zulassung notwendig. Der Genehmigungsprozess sei noch im Gange. Im Landratsamt Bautzen, so ist dort zu erfahren, sei das Projekt noch nicht bekannt, so Sprecherin Sabine Rötschke. Möglicherweise seien ja bisher andere Behörden einbezogen worden.

Seine Firma Heimpold Facility Management, so der Investor, sei unter anderem darauf spezialisiert, schwierigen Immobilien Leben einzuhauchen, so die Aussage von Jan Heimpold im Vormonat. Der Keulenberg sei das mit Sicherheit. Es gehe um ein therapeutisches Projekt für junge Leute mit schulischen Problemen, soviel ist noch bekannt. Die sollen auf dem Berg Abstand zu ihrer gewohnten Umgebung gewinnen, heißt es.

Vorbesitzer Uwe Püschel lobte das Konzept des neuen Eigentümers aus Dresden als aussichtsreich. Zumindest ist es ein Kontrastprogramm zu den gescheiterten Versuchen mit der Gastronomie. Mal abgesehen von der Goldenen Wurzel, dem Imbiss. Viele Gipfelbesucher hatten bereits zu Himmelfahrt auf den Ausschank gehofft und wurden enttäuscht. Inzwischen habe sich die Stadt mit dem neuen Eigentümer über seine Pläne und auch den Imbiss ausgetauscht, so der Pulsnitzer Bauamtschef Frank Heiduschka. Das pädagogisch-soziale Betreuungskonzept werde der neue Eigentümer noch öffentlich vorstellen. Vorrangig solle erst einmal das vordere Gebäude genutzt werden, so Heiduschka. Das hintere werde nur baulich gesichert.

Kaffee-Konzept für die Goldene Wurzel

Die goldene Wurzel wolle der Investor aber mit eigenem Personal an den Wochenenden in der Wandersaison betreiben. Es werde auf ein Kaffee-Konzept hinauslaufen, also kein Alkohol ausgeschenkt werden, so Heiduschka. Das hänge mit dem Jugendprojekt zusammen. Der Eigentümer selbst rechnet frühestens ab Juli mit dem Wurzel-Betrieb. Im Rathaus ist Fachbereichsleiter Heiduschka nicht begeistert über den späten Start. Das betrifft auch die Zukunft der noch von der Gemeinde Oberlichtenau für viel Geld gebaute Toilettenanlage gegenüber der Ex-Gaststätte. Dummerweise auf fremdem Grund: „Das ist unglücklich gelaufen“, so Heiduschka. Überhaupt sei es aus heutiger Sicht traurig, dass die Gemeinde das Gipfelgrundstück damals in den 1990er Jahren nicht von der Treuhand übernommen habe. Es wäre günstig zu bekommen gewesen. Jetzt steht das WC auf Privatgrund und wird voraussichtlich nicht für die Wurzelkunden und Wanderfreunde verfügbar sein. Ein Flächentausch sei kaum möglich. Außerdem müsse der Investor für sein Konzept Auflagen erfüllen und die beiden inhaltlich völlig unterschiedlichen Bereiche trennen. So werde das 25 000-Quadratmeter-Areal auf jeden Fall eingezäunt. Selbst ein Sanitärcontainer auf dem Stadtgelände mit dem Aussichts-Turm sei schon im Gespräch gewesen. Diese Variante könnte aber an einem Biotop scheitern und ist nicht ohne Weiteres machbar. Über die Toilettenfrage sei noch längst nicht das letzte Wort gesprochen.

Dass die noch zu lösen ist, weiß auch Ortsvorsteherin Anett Thomschke. Das Sozialprojekt an sich sieht sie aber durchaus positiv. Das neue Konzept und eine touristische Nutzung müssen sich nicht ausschließen, schätzt sie ein. Wenigstens der Imbiss müsse aber erhalten bleiben.

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